
Geschichte
Bildunterschrift: Das Institut für Gruppenanalyse Heidelberg e.V. in der Tradition der Gruppenanalyse von Siegmund Heinrich Foulkes.Bildunterschrift: Das Institut für Gruppenanalyse Heidelberg e.V. in der Tradition der Gruppenanalyse von Siegmund Heinrich Foulkes.
Das Institut für Gruppenanalyse Heidelberg e.V. steht in der Tradition der Gruppenanalyse, die Siegmund Heinrich Foulkes in den vierziger Jahren des 20. Jahrhunderts in London entwickelte. Es wurde am 18.11.1984 von G. Rudnitzki, W. Knauss, H. Bosse, H. Hilpert, U. Keller-Husemann, A. Müller, R. Gfäller und W. Beck, einer Gruppe engagierter Ärzt:innen, Psycholog:innen, Sozial- und Politikwissenschaftler als gemeinnütziger Verein gegründet, der aus dem fünf Jahre zuvor ins Leben gerufenen Department und Lehrseminar für Gruppenanalyse der Stiftung Rehabilitation Heidelberg hervorging. Das Ziel war es, allen, die beruflich mit Gruppen zu tun haben, eine gruppenanalytische Weiterbildung zu ermöglichen.
Dem lag die Überzeugung zugrunde, dass die Gruppenanalyse, obwohl primär als therapeutisches Verfahren entwickelt, sich auch in pädagogischen und anderen sozialen Feldern anwenden lässt, um Gruppenprozesse besser zu verstehen und zu steuern.
Der Kontakt zur Gruppenanalyse wurde auf den Lindauer Psychotherapiewochen durch die Begegnung mit Ilse Seglow geknüpft, einer Schülerin von S.H. Foulkes, die vor den Nazis aus Deutschland fliehen musste und sich dafür einsetzte, die Gruppenanalyse in Deutschland zu etablieren. Die Gründungsmitglieder fuhren regelmäßig nach London, um dort an ihrer Selbsterfahrungsgruppe und an gruppenanalytischen Workshops teilzunehmen.
Die Gründungsphase fiel in eine Zeit, in der die politische Auseinandersetzung mit der deutschen Vergangenheit und mit autoritären gesellschaftlichen Strukturen durch die Studentenbewegung ausgelöst wurde. Der damit einhergehende Diskurs über eine demokratische Kultur führte zu einer Öffnung für die Bedeutung von Gruppen, die sowohl die Entfaltung der Individualität als auch die Entwicklung eines verantwortlichen Gemeinsinns fördern. Hier konnte die Foulkssche Gruppenanalyse mit ihrer Betonung der Selbstentwicklung der Gruppe anknüpfen.
In der Organisation der Weiterbildung folgte das Heidelberger Institut in den ersten Jahren dem Londoner Vorbild. Die Weiterbildungsgruppen setzten sich aus verschiedenen Berufen zusammen und trafen sich vier Jahre lang in fraktionierten geschlossenen Gruppen zur Selbsterfahrung und Theorie. Hinzu kamen eine eigene Lehrgruppe, eine Abschlussarbeit und ein Kolloquium.
Es waren gesellschaftliche Veränderungen, auf die das Institut mit einer Flexibilisierung seiner Weiterbildung reagierte. 1999 trat das Psychotherapeutengesetz in Kraft, demzufolge psychotherapeutische Behandlungen nur noch durch approbierte kinder- und jugendlichenpsychotherapeutische, psychologische und ärztliche Psychotherapeuten durchgeführt werden durften. Gruppenleitungen anderer Grundberufe wurden nicht mehr zur Patientenbehandlung zugelassen.
Weiterhin wurde es für die Teilnehmer:innen immer schwieriger, sich für Blockveranstaltungen von der Arbeit freistellen zu lassen. Das Institut veränderte daraufhin das Weiterbildungssetting grundlegend. Theoriekurse wurden in Basis- und Aufbaukurse gegliedert und in geschlossenen Gruppen durchgeführt, während die Selbsterfahrung von nun an in mehreren parallel laufenden halboffenen Gruppen angeboten wurde.
Schon zu Beginn der 90er Jahre rief das Institut eine Fortbildung in gruppenanalytischer Teamsupervision und Institutsberatung ins Leben. Dieses Angebot entwickelte sich 2003 zu einer Weiterbildung mit der Zusatzqualifikation „Gruppenanalytischer Supervisor und Organisationsberater“ und wird aktuell neu konzipiert als Weiterbildung „Gruppenanalytische Supervision und Coaching“, die zur Mitgliedschaft in der Deutschen Gesellschaft für Supervision DGSv qualifiziert.
Als lernende Organisation muss das Institut immer wieder Veränderungen der Weiterbildung ins Auge fassen und ist in dieser Hinsicht in einem stetigen Prozess. Heute werden die Selbsterfahrungsgruppen im slow open Format angeboten und können zeitgleich oder zeitversetzt mit der Teilnahme an den Weiterbildungsgängen „Gruppenanalytische Basisqualifikation“, „Basisqualifikation Gruppenanalyse mit Kindern und Jugendlichen“, „Gruppenanalytischer Aufbaukurs“ und „Gruppenanalytische Supervision und Coaching“ kombiniert werden.
Nach wie vor charakteristisch für das Heidelberger Institut ist die berufliche Heterogenität, die allgemein als Bereicherung erlebt wird.
Für die internationale Vernetzung gingen vom Heidelberger Institut wichtige Impulse aus, so die Gründung der europäischen Vereinigung der gruppenanalytischen Institute (EGATIN), auf deren jährlichen Treffen Aus- und Weiterbildungsstandards weiterentwickelt und Inhalte vor dem Hintergrund aktueller soziopolitischer und technischer Entwicklungen hinterfragt und aktualisiert werden. Zusammen mit der Group Analytic Society organisierte das Heidelberger Institut 1993 in Heidelberg das Neunte Europäische Symposium der Society Boundaries and Barriers, das das erste seiner Art in Deutschland war.
Mitglieder des IGA Heidelberg engagieren sich in nationalen und internationalen Organisationen wie etwa dem DAGG, der D3G, der Group Analytic Society International sowie der International Association of Group Psychotherapy und der European Federation of Psychoanalytic Psychotherapies, indem sie Ämter und Funktionen übernehmen.
Darüber hinaus veranstaltet das Institut regelmäßige Tagungen und gibt seit 1991 die Zeitschrift gruppenanalyse heraus, die bis 2022 im Heidelberger Mattes Verlag und seit 2023 im Psychosozial Verlag erscheint (-> interner LINK zu Publikationen).
Wir sind für Sie da
Institut für GruppenanalyseHeidelberg e.V. Märzgasse 5, D 69117 Heidelberg Telefonzeiten: Dienstag u. Donnerstag von
9:00-13:00 Uhr und 15:00-17:00 Uhr Für Anfragen außerhalb unserer Telefonzeiten erreichen Sie uns per E-Mail: info@gruppenanalyse-heidelberg.de